Auswärtiges Amt, Berlin
Herrn Markus Löning
Beauftragter für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe
Fax: 030 18 17 3402
Email: mrhh@auswaertiges-amt.de
oder
Stadt Köln
Herrn Oberbürgermeister Jürgen Roters
Fax: 0221 / 221-37629
Email: oberbuergermeister@stadt-koeln.de
Bitte um Ihr Engagement für die Freilassung des zu Unrecht inhaftierten Kölner Schriftstellers und Menschenrechtlers Dogan Akhanli
Stadt: X.X.2010
Sehr geehrter ….
der türkischsprachige Schriftsteller Dogan Akhanli aus Köln wird seit dem 10. August 2010 in der Türkei zu Unrecht in Haft gehalten.
Dogan Akhanli wollte, seit dem er 1992 nach mehrjähriger politischer Haft und Folter in der Türkei als politischer Flüchtling nach Deutschland kam, aus familiären Gründen erstmals wieder die Türkei bereisen.
Ich respektiere, dass die türkische Justiz zunächst Ermittlungen gegen Dogan Akhanli einleitete, weil er aufgrund einer (wenn auch widersprüchlichen) Aussage von 1992 verdächtigt wurde, sich 1989 an einem Raubüberfall beteiligt zu haben, bei dem ein Mensch zu Tode kam – ein Vorwurf, den D. Akhanli entschieden zurückweist.
Dogan Akhanli ist ein Schriftsteller, der mit seinen Roman und anderen Projekten die Auseinandersetzung mit der kollektiven Gewalt in der türkischen Geschichte und mit genozidalen Erfahrungen, u.a. mit dem Völkermord an den Armeniern, führt und anregt. Er engagiert sich für interkulturellen, auf Versöhnung orientierten Dialog, für die Unteilbarkeit der Menschenrechte und für Frieden. Dogan Akhanli ist deutscher Staatsbürger.
Die Verdachtsmomente gegen ihn sind mittlerweise sämtlich längst entkräftet.
Ich wurde informiert, dass die türkische Polizei bereits am 13.8. zwei der drei Belastungszeugen, die Söhne des Überfallopfers, erneut befragt hat . Sie haben ihre Aussage von 1992 zurückgezogen und geben an, schon damals habe man sie zu der belastenden Aussage gedrängt. Auch der dritte Belastungszeuge hat seine Aussage gegen Dogan Akhanli zurückgezogen; sie sei ihm damals unter Folter abgerungen worden.
Trotz der Entlastungen hat die türkische Gerichtsbarkeit bei beiden Haftbeschwerden, die die Anwälte am 17.8. und am 23.8.2010 eingereicht haben, abgelehnt. Daher befindet sich Dogan Akhanli oder jede belastenden Indizien in Haft.
Die fortdauernde Inhaftierung und die verschleppenden Verfahrensweisen der türkischen Justizbehörden haben die bereits früh sich abzeichnenden Anzeichen für ein unfaires und politisch motiviertes, revanchistisches Vorgehens leider bestätigt. Mehr Details finden Sie unter: www.das-kulturforum.de. Eine Presseschau finden Sie unter: www.das-kulturforum.de/archiv/presseschau-dogan-akhanli-verhaftung/.
Im Namen von Recht und Gerechtigkeit bitte ich Sie, sich aktiv dafür einzusetzen, dass die türkische Justiz hier mit ihren problematischen Traditionen einer politischen Justiz gegen kritische Bürger und Schriftsteller entschieden bricht und Dogan Akhanli freiläßt. Nicht zuletzt, weil Dogan Akhanli Ende der 80er Jahre Folteropfer der türkischen Justizbehörden war, ist eine schnelle Haftentlassung unabdingbar.
Ich bitte Sie, mich darüber zu informieren, welche Schritte Sie für eine unverzügliche Freilassung von Dogan Akhanli unternehmen.
Für Ihr Engagement bin ich Ihnen außerordentlich dankbar und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
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