Die türkische Soziologin und Publizistin Pınar Selek hat in einem Schreiben gegen die Verhaftung Doğan Akhanlıs protestiert.
Selek ist zur Zeit Stipendiatin des deutschen P.E.N.-Zentrums. In der Türkei droht der Friedensaktivistin eine lebenslange Haftstrafe.
Was Doğan Akhanlı zur Zeit zustößt, zeigt wieder einmal, dass das Rechtssystem in der Türkei im Verfall begriffen ist. Aktivisten, Schriftsteller und Demokraten werden heute nicht aufgrund ihrer Aktivitäten, sondern wegen schmutziger Anschuldigungen gefoltert, verhaftet oder in der Öffentlichkeit als Terroristen oder Mörder diffamiert. Die Tatsache, dass Oppositionelle auf diese Weise terrorisiert werden, ist eigentlich nichts Neues. Jeder weiß, was mit Georgi Dimitrow in Nazi-Deutschland und Angela Davis in Amerika passierte. Auch in der Türkei sahen sich die Linken immer wieder mit zahlreichen Anschuldigungen konfrontiert und mussten sich rechtfertigen, wie beispielsweise im Zusammenhang mit den Pogromen des 6. und 7. September 1955. Diese Taktik haben sie vor 12 Jahren auch bei mir anzuwenden versucht. In der Öffentlichkeit waren sie nicht erfolgreich damit, aber mit Beharrlichkeit und Sturheit versuchen sie es weiterhin. Vor kurzem sah sich auch die Feministin und Homosexuelle Hülya Tarman ähnlichen Anschuldigungen ausgesetzt. Nun haben sie Doğan Akhanlı in diese Situation versetzt, die an einen Science Fiction Film erinnert. In diesen grauenvollen Film kann jeder Einzelne von uns hineingezogen werden. Es reicht offenbar aus, Schriftsteller, Aktivist oder Opositioneller zu sein, um mit furchtbaren Anschuldigungen geknebelt zu werden und plötzlich in einem Horrorfilm zu stecken. Wir dürfen das nicht zulassen. Nicht wegen meiner Person, nicht allein wegen Hülya Tarman, nicht allein wegen Doğan Akhanlı, sondern im Interesse von uns allen. Wir alle brauchen Rechtstaatlichkeit. Pınar Selek, 27. August 2010
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