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Hrant Dink Forum Köln

Hrant Dink - Seine Worte leben weiter


Rund 500 Menschen kamen am Montag, den 19. Januar in die Alte Feuerwache in Köln, um das Gedenken an Leben und Werk des vor zwei Jahren auf offener Straße ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink aufrecht zu halten. Unter den zahlreichen Ehrengästen befand sich auch der Patriarch der armenischen Diözese in Europa, Erzbischof Karekin Bekdjian. In Worten und Bildern wurde an die versöhnliche Haltung Dinks erinnert, der immer großen Wert darauf gelegt hat, dass Menschen, welcher religiösen oder ethnischen Herkunft auch immer, zusammen kommen und miteinander sprechen, dass der Vielfalt – nicht nur, aber auch in seinem Land, der Türkei – Raum zur Entfaltung gegeben wird.

Sewan Latchinian, armenisch-deutscher Schauspieler und Intendant des Senftenberg-theaters, las ausgewählte Texte des Ermordeten, der es auf besondere Weise verstanden hat, seine Sicht auf komplexe Zusammenhängen in einfache, verständliche Worte zu fassen. Die von Latchinian kunstvoll vorgetragenen Passagen stammen aus der kürzlich erschienen Textsammlung "Hrant Dink – Von der Saat der Worte" (Schiler Verlag, 2008), herausgegeben und ins Deutsche übertragen von dem in Istanbul lebenden Journalisten Dr. Günter Seufert, der auf der Gedenkfeier über seine Begegnungen mit Dink und seinen Artikeln und Kolumnen sprach. Die Idee, mit den Texten Dinks ein Buch zu konzipieren sei, so Seufert, auf ähnliche Weise entstanden, wie sich am Tag der Ermordung und noch Tage später kilometerlange Trauermärsche formiert hatten – spontan und aus dem Gefühl heraus, etwas tun zu müssen. Die nun vorliegende Schriftsammlung vermittelt auf wunderbare Weise einen Einblick in die Person Hrant Dink, sein Denken und Fühlen, und in die Situation der Minderheiten in der Türkei heute und in der Vergangenheit.

Dink selbst wäre, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, an jenem Abend dabei zu sein, wohl nicht auf die Probleme der Minderheiten in der Türkei zu sprechen gekommen, bemerkte die aus Istanbul angereiste Autorin Karin Karakaşlı in einer berührenden Rede voller Erinnerungen an ihren langjährigen Vorgesetzten, Kollegen und Freund Hrant Dink. Er hätte, so Karakaşlı, wohl über Gomidas Vartabed gesprochen, den berühmten armenischen Komponisten und Sänger, besser bekannt als Komitas. Von ihm stammen über dreitausend Lieder in armenischer, arabischer, kurdischer und persischer Sprache. Am vergangenen Montag waren einzelne Stücke zwischen den Lesungen und Reden zu hören – vorgetragen von den armenischen Künstlern Ardak Voskanyan am Klavier, Nerses Ohanyan an der Querflöte und der beeindruckenden Stimme des noch sehr jungen Sängers Artin Simonyan.

Dinks unermüdliches Engagement für eine demokratische Gesellschaft, in der Minderheiten die gleichen Rechte wie die Mehrheitsgesellschaft erhalten, in der jeder seine eigene Identität selbstbewusst leben und gleichzeitig offen für andere Kulturen und Religionen sein kann, hat seinen Ausgangspunkt in einem armenischen Waisenhaus in Tuzla bei Istanbul genommen. Das sogenannte "Schwalbennest", in dem er und seine Frau Rakel aufwuchsen und später als Jugendleiter tätig waren, wurde 1980 vom türkischen Staat konfisziert. Der gleichnamige Film von Bülent Arınlı und Sehbal Şenyurt, zu Dinks Lebzeiten gedreht, dokumentiert diese Geschichte. Die Kamera folgt Dink bei einem Spaziergang durch den heute verwaisten Garten mit Erinnerungen an eine lebhafte Vergangenheit. Für eine Rückgabe des Besitzes haben sich Dink und andere ehemalige Bewohner bislang erfolglos eingesetzt.

Im Gedenken an Hrant Dink geht es nicht nur um Vergangenes, Abgeschlossenes. Seine Worte, mit denen er auch nach seinem Tod viele Menschen erreicht und zum Nachdenken gebracht hat, behalten ihre friedvolle Kraft auch in der Gegenwart und im Hinblick auf die Zukunft. Über die aktuelle politische Situation und das Wirken seines Freundes Dink sprach der Politologe und Agos-Kolumnist Professor Baskin Oran. Er ist Mitinitiator der Unterschriftenkampagne "Ich entschuldige mich" – eine Aufforderung türkischer Intellektueller an alle türkischen Landsleute, ein fast hundertjähriges Tabu zu brechen, offen zu diskutieren und sich für die Verbrechen an der armenischen Bevölkerung zu entschuldigen. An der viel beachteten Aktion haben sich bereits über 30.000 Menschen beteiligt. Die Initiatoren müssen sich derweil gegen eine Klage der türkischen Staatsanwaltschaft verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, mit ihrem Aufruf den türkischen Staat zu unterminieren.

Eine neue Ausstellung, die in Fotos, Texten und Zitaten aus Dinks Nachlass das Leben und Werden des Journalisten dokumentiert, rahmte die zweistündige Gedenkfeier ein. In Bildern und Zitaten werden Ausschnitte aus Dinks privatem und beruflichem Leben präsentiert, von der Kindheit und Jugend bis zum politischen Engagement, aber auch die Umstände vor und nach seiner Ermordung, die andauernde Prozessphase nach dem Mord. Die von Mürvet Öztürk sorgfältig zusammengestellte Ausstellung wird demnächst auch im Lew Kopelew Forum in Köln zu sehen sein.                                            

 




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